Cemal Akin

Michael Eckardt - Des Autos neue Kleider

Tinka liegt völlig fertig auf dem Hof. Trotzdem siegt die Neugier, sie steht langsam auf und schaut sich an, was wir da alles aus dem Auto hervor holen. Kameratasche, Stativ, Schreibzeug und dann sind da natürlich wir, die wir als Fremde ziemlich interessant für sie sind. Tinka ist eine sehr freundliche Altdeutsche Schäferhündin, acht Jahre alt und ihr ist – ganz genau wie uns – viel zu warm an diesem heißen Vorsommertag.

Wir sind diesmal bei der Sattlerei und Polsterei von Michael Eckardt im Lehmkuhlenweg zu Gast. Anfangs sind wir allerdings skeptisch, ob wir denn ausreichend Motive finden werden, außer Leder, Nadel und Faden?

Wir finden sie!

Sofort beim Betreten der Werkhalle in ungewöhnlicher Form und leuchtend rot: Ein riesiger Buick, den ein Liebhaber aus Amerika hat einfliegen lassen, bekommt zur Zeit bei Meister Eckardt sowohl neue Auslegware als auch neu bezogene Sitze – genau passend zum Stil des Wagens. Noch ist er jedoch eine leere Hülle.

Der Stil muss passen

Sitze

Was man im fertigen Zustand erwarten darf, führt er uns beim Öffnen einer Nebengarage vor. Hier steht ein alter Oldsmobile, dessen Innenleben sein Team komplett erneuert hat. Optimal passend zum Stil des Wagens in schwarz und abgesetztem Gold.

Im VW-Museum in Wolfsburg steht außerdem ein alter Käfer, der hier in Peine neu aufgepolstert wurde. Außerdem hat sich die Qualität der Firma herumgesprochen, man bekommt täglich Anfragen aus ganz Niedersachsen.

Seit 1988 ist Michael Eckardt selbstständig, seit 1990 befindet sich die Firma im Lehmkuhlenweg. Eigentlich wollte er Koch werden, aber in den 80ern gab es in Peine dafür keine Lehrstellen. So ist er eher durch Zufall bei Hensel und Ebermann gelandet, machte schon bald nach der Gesellenprüfung seinen Meister. Das musste sein, weil sein Lehrherr Hensel plötzlich schwer erkrankte und die Firma weiter bestehen sollte.

Also nahm er Urlaub und legte schnellstmöglich den praktischen 1. und 2. Teil in Regensburg ab (dort befand sich damals die einzige Meisterschule Deutschlands). Mit der eigenen Nähmaschine im Gepäck und einem alten Opel-Rekord, den ihm ein Kollege aus Bayern zur Verfügung stellte. Himmel, Sitze, Teppich, Türverkleidung erneuern und einbauen, das alles gehörte zum Meisterstück. Die Theorie lernte er dann in der Abendschule in Hildesheim. Schon immer unterstützte ihn dabei seine Frau Christine, die ebenfalls von Anfang an im kaufmännischen Bereich dabei ist.

Chancen besonders für „schwierige Fälle“

In seinem Betrieb, der auch „normale“ Sitz- und Liegemöbel auffrischt oder Planen für Zelte, Haus und Hof anfertigt, bildet er in der Regel zwei Lehrlinge aus. Gern auch Menschen mit Behinderung oder junge Leute, die eine zweite Chance benötigen. Sein jüngster Geselle kam 2011 zu ihm, nachdem er durch die erste praktische Prüfung gefallen war. Wie so oft im Handwerk fordern die Prüfungen Fertigkeiten, die viele Betriebe ihren Lehrlingen nicht vermitteln (können). Eckardt erkannte das Potential des jungen Mannes und gab ihm die Chance, sich auf seinen zweiten Anlauf vorzubereiten. Er bestand und ist seitdem bei ihm angestellt.

Schülerpraktikanten aus allen Schulen nimmt die Polsterei ebenfalls auf oder man beteiligt sich am Zukunftstag der Achtklässler. Für Eckardt ist die Unterstützung junger Menschen sehr wichtig, manchmal sogar auf ungewohnte Weise: Im Rahmen einer Suchttherapie gibt es bei ihm ebenfalls Praktikumsplätze.

Persönliches
Galerie

Einige Fragen an Michael Eckardt

Michael Eckhardt an der Nähmaschine
 
 
Auto
 
 
Polster

Name: Michael Eckardt • Geburtsort: Peine • Wohnort: Peine

Geschwister: 5 • Eigene Kinder: 1 Tochter

Familienstand: verheiratet

Beruf der Eltern: Vater Metzger, Mutter Hausfrau

Vorbilder in der Jugend: Mein Lehrmeister, Herr Hensel

Heutige Vorbilder / respektierte Personen: Helmut Schmidt

Mein schönster persönlicher Moment: Die Geburt meiner Tochter

Meine 3 Dinge für eine einsame Insel: Meine Frau, eine Kiste Härke, ein iPad mit vielen Büchern

Lebensmotto / Philosophie: Leben und leben lassen

Bitte setzen Sie den Satz fort „In Peine ...“: freue ich mich am meisten aufs Freischießen.

Bitte vervollständigen: Am liebsten verbringe ich Zeit… im Bürger Jäger Corps.

Ihre Lieblingsfarbe? Blau (jetzt auch Gelb, dank Eintracht BS ;-)

Lieblingsgetränk? Havanna

Lieblingsessen? Alles

Worauf freue ich mich das ganze Jahr? Aufs Freischießen und auf den Urlaub

Wie entspannen Sie? Im Garten

Ihre Hobbies (ehrenamtlich aktiv, musikalisch/künstlerisch unterwegs, Sport)? Etwas Laufen, Bürger Jäger Corps, Kulturelle Landpartie

Leseratte oder Blockbuster-Gucker? Leseratte

Im Urlaub, lieber Zelt oder Hotel?: Eher Hotel, lieber Appartement

Ihr schönstes Urlaubsziel bisher: Martinique (Hochzeitsreise)

Wo würden Sie gern mal Urlaub machen? Seychellen

Wollten Sie schon immer Ihren jetzigen Beruf ausüben oder gab es in der Kindheit andere Berufswünsche? Koch - ich esse ja auch sehr gern. Die Sattler-Lehre war eher ein Zufall.

Berufsausbildung und beruflicher Werdegang:
Sattler-Lehre (Schwerpunkt Autosattler), kurze Zeit Gesell, dann Meister, jetzt selbstständig.

Wo haben Sie sich Ihr erstes Geld verdient? Beim Kartoffeln sammeln auf dem Acker.

Wie sind Sie zu Ihrem aktuellen Beruf gekommen? Es gab nichts anderes, der Bruder meines heutigen Gesellen gab mir den Tipp es bei Hensel und Ebermann zu versuchen und auch weil ich kräftig war, wurde ich eingestellt.

Steht ein(e) Nachfolger(in) bereit? Nein

Bestehen Geschäftsbeziehungen zu anderen Peiner Firmen? Ja, viele. Besonders zu KFZ-Werkstätten, zu Kollegen und zu Raumausstattern.

Firmenadresse: Sattlerei und Polsterei Michael Eckardt, Lehmkuhlenweg 24, 31224 Peine, Telefon 05171/18787
Web: www.auto-sattler-peine.de

Was ist das besondere an Ihrer Firma/Ihrem Geschäft? Sie ist in Peine einzigartig.

Welche Zielgruppe(n) sprechen Sie an? Jeden, der ein Auto oder ein Polstermöbelstück hat.

Was würden Sie beruflich anders machen, wenn Sie die Möglichkeit hätten? Nichts, besonders, weil die Meisterausbildung in Bayern eine so gute Erfahrung war. Viele Kontakte von damals bestehen heute noch.

 

Bilder sagen mehr als Worte

Leder, Kunstleder, Stoff, Planen – in der Sattlerei und Polsterei Michael Eckardt werden viele Materialien verarbeitet. Fast alles ist ausschließlich Handarbeit und verlangt großes Geschick im Umgang mit den einzelnen Werkstoffen.

Eckardt bedauert, dass sich das Berufsbild massiv verändert hat. Inzwischen braucht ein Betrieb keinen Meister mehr. Dabei ist heute vieles viel komplizierter. Die Autos haben in der Regel Airbag. Wer für den Umgang damit keine Zusatzausbildung hat, darf diese Sitze nicht bearbeiten. Schließlich muss die Technik auch im „neuen Kleid“ problemlos funktionieren.

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