Ulf Lahmann

Ulf Lahmann - Es kreucht und fleucht, wächst und gedeiht

Na das passt ja... als wir beim Besuch auf Ulf Lahmanns Bioland-Hof in Voigtholz aus dem Auto steigen, erwischt uns mit voller Wucht einer der heißesten Tage des Jahres – Natur pur.

Davon völlig unbeeindruckt marschiert jemand ganz hinten links auf dem gegenüberliegenden Acker kraftvoll aus. Irgendein landwirtschaftliches Gerät vor sich herschiebend, kommt er uns entgegen und entpuppt sich schließlich als der Hofherr selbst. „Das ist eine Radhacke – global betrachtet das wichtigste Werkzeug eines Biobauern“, ruft er zur Begrüßung und damit sind wir schon mitten auf dem Lehrpfad durch eine Welt voll praller Natur, einiger ziemlich durchgeknallter Tiere und weiteren Gerätschaften, von denen wir noch nie etwas gehört haben.

Die Hoftour beginnt vorbei an einer einst von einem Huhn geprägten Entendame, die auf zwei Gipseiern am Boden hockt – ganz offenbar brütend. Lahmann erklärt: „Die denkt, sie sei ein Huhn und da sie niemanden damit stört, ist das völlig in Ordnung.“ Ein Lauf-Enten-Ehepaar stürmt an uns vorbei auf die Straße, die Hälse hoch gereckt und irgendwie etwas nervös. „Die sind unsere natürliche Verkehrsberuhigung“, lacht der Bauer und erzählt uns in ganz ähnlich hohem Tempo, was er eigentlich noch alles ist: Imker, Schäfer, Schafscherer, Bäcker, Schlachter, Gärtner, Käser, Müller, Geschäftsmann mit eigenem Laden, Klauenpfleger und – Vater von drei Kindern, die er obendrein auch noch alleinerziehend groß bekam.

Weiter geht es mit dem höfischen Basiswissen. Saatgut wird zum Teil selbst produziert, auch das Holz für die Backstube kommt aus dem eigenen Wald, zwei Hähne sind buchstäblich Hahn im Luxuskorb: Sie haben einen Harem aus 80 Legehennen, eine hübscher als die andere. Es gibt Schafe, Schweine, Kühe, das Futter für sie wird ebenfalls selbst angebaut. In Mischkultur, so lernen wir: Sommerroggen und -weizen und Lupinen, die ein guter Eiweißlieferant sind und die er statt Soja untermischt.

Wo Milch und Honig fließen

Schilder

Seine Kühe haben Namen und werden noch von Hand gemolken. Aus der Milch stellt Lahmann auch Käse her, den allerdings eher für den eigenen Bedarf. Auch Strom produziert der Hof selbst. „Mehr als ganz Voigtholz verbraucht“, berichtet er stolz und führt uns weiter hinter das Haus. Oben unterm Dach nisten Turmfalken, überhaupt gibt es auf Lahmanns Bioland jede Menge Vogelarten und weiteres Getier, das sich hier eingenistet hat. Alles wirkt naturbelassen, mit viel Wildwuchs aber ganz offenbar auch mit System. Auf den Hoffläche, am Tadensen (einem Waldgebiet bei Stederdorf) und in Mödesse verteilt befinden sich seine über 40 Bienenvölker, mit denen er verschiedenste Honigsorten gewinnt und Met herstellt. Aus dem Bienenwachs werden gedrehte, massive und gezogene Kerzen hergestellt.

Wir gehen an Aufzuchtboxen der Masthähnchen vorbei (die dürfen hier immerhin 5 Monate alt werden, in der Industrie nur 42 Tage), nebenan liegt der Laden und das Backhaus. Ein großer Schwimmteich mit einer Sauna im Bauwagen erstreckt sich hinter dem Backhaus. Auf dem Ententeich dümpelt eine Nilgans im Wasser, eigentlich ein schönes Tier, allerdings ziemlich aggressiv: verscheucht alle anderen Enten und Gänse in der Nähe. Sie dürfte damit wohl das einzige schwarze Schaf in der Idylle sein.

Die pure Handarbeit

In der Backstube warten zwei Osttiroler Natursteinmühlen auf Roggen, Weizen und Dinkel, aus dem Lahmann fürs selbst gebackene Brot und den Kuchen sein eigenes Vollkornmehl herstellt. Freitags ist Backtag, dann rührt er wannenweise Natursauerteig an, formt Brotlaibe und Brötchen, belegt Blechkuchen mit Orangenquark und Zimtstreußeln. Alles in reiner Handarbeit und mit entsprechend großer Muskelkraft. Von 14 bis 19 Uhr hat er dann den Laden geöffnet, Samstags von 9 bis 13 Uhr. Dann fährt auch einer seiner Mitarbeiter mit dem Verkaufsstand auf den Peiner Wochenmarkt.

Im Hofladen gibt es Brot, Wurst, Käse, Gemüse und Obst der Saison, Naturkost, selbstgezogene oder gedrehte Kerzen und vieles mehr. Seine Devise dabei: Niemals mehr produzieren als sich verkaufen lässt und so ökologisch/gesund und unbedingt lecker wie möglich.

Die Außenwände seines Ladens sind mit Weinreben überwachsen – Tafeltrauben, Regent und Gewürztraminer gedeihen hier fast wie in südlichen Weinbergen. Idylle pur und am schönsten auf der großen Dachterrasse mit Blick auf den Teich. Nach einem 10 bis 12 Stunden Tag, der bei Ulf Lahmann die Regel ist, genau der richtige Ausgleich.

Persönliches
Galerie

Einige Fragen an Ulf Lahmann

Pflanzenwelt
 
 
Pause
 
 
Schweine

Name: Ulf Lahmann • Geburtsort: Peine • Wohnort: Voigtholz

Eigene Kinder: 2 Töchter, 1 Sohn

Familienstand: geschieden

Beruf der Eltern: Vater Diplom Ingenieur, Mutter Kauffrau

Mein schönster persönlicher Moment: Die Geburt der Kinder

Meine 3 Dinge für eine einsame Insel: Eine liebe Frau, ein Taschenmesser, Streichhölzer.

Haben Sie vor kurzem etwas Witziges erlebt? Ja, auf meiner Geburtstagsfeier waren Isi und Oli da, außerdem war es eine Mitbringparty und hier war ordentlich was los.

Lebensmotto/-philosophie: „Gelobt sei, was Spaß macht – nur nicht auf Kosten Anderer“

Bitte beschreiben Sie sich in einem Satz: Ich bin Selbstversorger in Freilandhaltung.

Bitte vervollständigen: Am liebsten verbringe ich Zeit… auf meiner Dachterrasse bei Schwalbenflug und in netter Gesellschaft.

Ihre Lieblingsfarbe? Maigrün

Lieblingsgetränk? Trockener Rotwein zu einem leckerem Essen

Lieblingsessen? Alles vom Grill, auch Gemüse aber alles aus eigener Produktion

Worauf freue ich mich das ganze Jahr? Auf die Ost- oder Nordsee

Wie entspannen Sie? Auf dem Sofa oder der Dachterrasse

Ihre Hobbies (ehrenamtlich aktiv, musikalisch/künstlerisch unterwegs, Sport)? Lyrik und Kurzgeschichten schreiben, Verhaltenskunde / Tierbeobachtung

Leseratte oder Blockbuster-Gucker? Leseratte, inzwischen aber auch etwas Fernsehen

Im Urlaub, lieber Zelt oder Hotel? Ferienwohnung

Ihr schönstes Urlaubsziel bisher? Kanada

Wo würden Sie gern mal Urlaub machen? Ostsee oder Nordsee

Wollten Sie schon immer Ihren jetzigen Beruf ausüben oder gab es in der Kindheit andere Berufswünsche? Nein, seitdem ich 16 bin wollte ich nichts anderes machen.

Berufsausbildung und beruflicher Werdegang:
Nach dem Abitur Biologie, Germanistik und Chemie (Lehramt) studiert. Fertig studiert bis auf einen Schein in Chemie. Danach den Hof hier in Voigtholz gekauft und aufgebaut. Zwischendurch Tierwirtsgesellenprüfung mit Fachrichtung Bienenhaltung.

Wo haben Sie sich Ihr erstes Geld verdient? Bereits in der 9. Klasse. Ich habe Nachhilfe in Englisch und Latein gegeben. Später dann, seit 1981, auf dem Gut Adolphshof in Hämelerwald gebacken und in der Käserei gearbeitet.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Aus Berufung. Ich habe alle meine Hobbies zu meinen Berufen machen können.

Bestehen Geschäftsbeziehungen zu anderen Peiner Firmen? Samstag verkaufen wir auf dem Peiner Wochenmarkt, meinen Honig bekommt man im Bioladen Radieschen.

Firmenadresse: Lahmanns Bioland, Eichenkamp 16 und 18, 31234 Voigtholz
www.lahmanns-bioland.de

Steht ein Nachfolger bereit? Ich arbeite daran, alles findet sich.

Welche Zielgruppe(n) sprechen Sie an? Gemeindebewohner, junge Eltern, Bildungsbürger, gesundheitsbewusste Menschen. Viele, die an Krebs erkrankt sind, kaufen bei mir.

Was ist das besondere an Ihrer Firma/Ihrem Geschäft? Alle Produkte aus eigener Erzeugung, ökologisch und qualitätsoptimiert, so lecker wie möglich!

Was würden Sie beruflich anders machen, wenn Sie die Möglichkeit hätten? Nichts, ich bin sehr frei in meinen Entscheidungen und habe einen schönen Lebensraum.

Ein Kundengespräch, dass Sie zum Nachdenken angeregt hat: Die gibt es immer wieder besonders dann, wenn kranke Menschen zu mir kommen, weil sie sich und ihrem Körper die industriell erzeugte Nahrung nicht mehr zumuten wollen und können.

 

Bilder sagen mehr als Worte

Bis zu seinem 38. Lebensjahr fuhr Ulf Lahmann ausschließlich Fahrrad, auch den Peiner Wochenmarkt belieferte er damit. Inzwischen gehört neben den auch hier notwendigen Landmaschinen ein alter Mercedes samt Verkaufsanhänger und ein Cabrio, das natürlich mit Gas fährt, zu seinem Fuhrpark.

Mit seinem großen Artenreichtum sowie den vielen Betriebszweigen gehört der Lahmannsche Hof zu den vielfältigsten in Deutschland und bildet einen kompletten Hoforganismus. Praktikanten sind gern gesehene Helfer, viele von ihnen kommen aus der ganzen Welt, häufig über den Verein Wwoof, der freiwillige Helfer/innen auf ökologischen Höfen vermittelt.

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